Mantel

Der Mantel war ein sehr beliebter Typ der Herren- und Damenoberbekleidung. Sein Schnitt variierte stark und die Bezeichnungen einzelner Schnitttypen überlappten sich beträchtlich, was es heute recht schwierig macht zu unterscheiden, welcher spezifische Kleidungstyp gemeint war. Uns begegnen Bezeichnungen wie plášček, pláščík; in der Luxemburger Zeit begann man ihn klok, kloček zu nennen, von der französischen Form cloque, lateinisch clanis, ferner lateinisch pelicio, deutsch tasselmantel, mantl und mantlík. Am häufigsten begegnen uns Mäntel mit halbkreisförmigem Schnitt, aber auch ein Dreiviertelkreis-Schnitt wurde getragen. Die Länge des Mantels variierte, und er konnte in einer ganzen Farbpalette vorkommen, wobei Blau, Grün, Rosa und Grau deutlich vorherrschten.

Der Mantel wurde am häufigsten an der Brust unter dem Kinn verschlossen. Dazu konnte eine Schmuckspange namens Agrafe dienen; deren Form, Farbe und Verzierung hatten religiöse Bedeutung, weshalb wir häufig einer rautenförmigen Agrafe begegnen, die mit Edelsteinen in Kreuzform verziert ist, oder deren Spitzen mit Perlen abgeschlossen sein konnten, die einer Lilie ähnelten. Ein halbkreisförmiger Mantel, mit einer Agrafe verschlossen, findet sich am häufigsten in Darstellungen der Jungfrau Maria. Darüber hinaus wurden Mäntel mit einer Kordel oder einem Riemen, mit einem dekorativen Band quer darüber oder auch, insbesondere bei kürzeren Mänteln, mit drei Knöpfen unter dem Kinn oder häufiger auf der Schulter verschlossen.

Ein langer Mantel, mit einer Agrafe verschlossen, in einem Ausschnitt aus der Kreuzigung von Nové Sady, 1440.
Ein langer Mantel, mit einer Agrafe verschlossen, in einem Ausschnitt aus der Kreuzigung von Nové Sady, 1440.
Lange Mäntel, mit einem Stoffband verschlossen, Křivoklát-Altar, vermutlich 1483.
Lange Mäntel, mit einem Stoffband verschlossen, Křivoklát-Altar, vermutlich 1483.
Ein kürzerer Mantel, vorne mit drei Knöpfen verschlossen, auf dem Gemälde des Heiligen Rochus italienischer Herkunft, 1480.
Ein kürzerer Mantel, vorne mit drei Knöpfen verschlossen, auf dem Gemälde des Heiligen Rochus italienischer Herkunft, 1480.
Ein kürzerer Mantel, auf der Schulter verschlossen, Ausschnitt aus dem Jenaer Kodex (1490-1510).
Ein kürzerer Mantel, auf der Schulter verschlossen, Ausschnitt aus dem Jenaer Kodex (1490-1510).
Ein kürzerer Mantel, auf der Schulter verschlossen, Ausschnitt aus dem Jenaer Kodex (1490-1510).
Ein kürzerer Mantel, auf der Schulter verschlossen, Ausschnitt aus dem Jenaer Kodex (1490-1510).
Ein Mantel, mit Knöpfen auf der Schulter verschlossen, Ausschnitt aus der Richental-Chronik (1470-1480).
Ein Mantel, mit Knöpfen auf der Schulter verschlossen, Ausschnitt aus der Richental-Chronik (1470-1480).

Eine weitere Gruppe von Mänteln umfasst Mäntel, die von manchen Forschern heute mit dem Kunstbegriff Mantel-Tunika bezeichnet werden. Zwei Manteltypen fallen in diese Kategorie: der erste, der in seiner Form dem italienischen Kleidungsstück giornea ähnelt, und der zweite, der Schlitze für die Hände hat und eher einem Rock oder der westeuropäischen houppelande nahesteht.

Der Nürnberger Schneider Hans Frumann legt Falten an einem Mantel vom Typ giornea, eine Seite aus dem Hausbuch der Nürnberger Zwölfbrüderstiftung, 1446.
Der Nürnberger Schneider Hans Frumann legt Falten an einem Mantel vom Typ giornea, eine Seite aus dem Hausbuch der Nürnberger Zwölfbrüderstiftung, 1446.
Ein Mantel vom Typ giornea, Ausschnitt aus der Richental-Chronik (1470-1480).
Ein Mantel vom Typ giornea, Ausschnitt aus der Richental-Chronik (1470-1480).
Ein Mantel mit Schlitzen für die Hände, Ausschnitt aus dem Jenaer Kodex (1490-1510).
Ein Mantel mit Schlitzen für die Hände, Ausschnitt aus dem Jenaer Kodex (1490-1510).
Ein Mantel mit Schlitzen für die Hände, Ausschnitt aus dem Jenaer Kodex (1490-1510).
Ein Mantel mit Schlitzen für die Hände, Ausschnitt aus dem Jenaer Kodex (1490-1510).

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