Im mittelalterlichen Tschechisch wurde der Begriff kabát für das Wams verwendet. Dieser Begriff ist seit dem 14. Jahrhundert in Gebrauch und bezeichnete ein kürzeres, eng anliegendes Kleidungsstück und diente als Synonym für das deutsche wams, jacke, schecke oder rock, das französische pourpoint, rochet, roquette, oder das englische jacket, rocket und doublet, aus dem Italienischen giubbetta.
Die Wörter kabát, rock (waffenrock), doublet (arming doublet) und pourpoint bezeichneten auch eine Art von wattiertem Kleidungsstück, und im Tschechischen ist die erste Verwendung des Wortes kabát an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert speziell mit der Bezeichnung eines wattierten Kleidungsstücks in der Alexandreis verbunden und blieb dies mindestens während des gesamten 15. Jahrhunderts, wie wir in der Sehr schönen Chronik über Jan Žižka lesen können: „Tiem jest polniem vojskem vládl kněz Prokop Holý. Pak ten jest býval k bitvě na špici v tlustém kabátě.“ (Damit befehligte das Feldheer der Priester Prokop der Kahle. Und dieser pflegte in der Schlacht an der Spitze in einem dicken Wams zu stehen.) Es bleibt die Frage, ob das tschechische Wort kabát vom Althochdeutschen gewæte abstammt oder ebenfalls vom Italienischen giubbetta abgeleitet ist.
Obwohl Wämser schon früher zum Befestigen von Beinlingen verwendet wurden, wie die Nestelbänder am Pourpoint von Charles de Blois belegen, wurde die Kombination aus Wams und daran befestigten Beinlingen in Böhmen erst um die Mitte des 15. Jahrhunderts weit verbreitet, wodurch das Wams zu einem funktionalen Kleidungsstück wurde, das an der Grenze zwischen Unter- und Oberbekleidung steht, was auch der Gründung einer eigenständigen Wamsmacherzunft im Jahr 1441 entspricht. Als die Beinlinge allmählich zu Hosen werden und ihr Bund höher rückt, werden auch die Wämser kürzer, und gegen Ende des 15. Jahrhunderts werden sie wieder zu einem vollwertigen Oberbekleidungsstück. Einen kurzen Überblick über die Entwicklung des Wamses bieten die folgenden Abbildungen.

Wie bereits erwähnt, stellte das Wams in der Ära König Georgs von Podiebrad eine Art Zwischenstufe zwischen Unter- und Oberbekleidung dar, und zwar nicht nur in Böhmen. Daher konnte der Rumpf des Wamses aus einem günstigeren, beispielsweise ungefärbten Stoff gefertigt sein. Dies spiegelt sich auch im Testament des Kesselmachers Martin aus der heutigen Spálená-Straße in Prag wider, der 1477 „dva rukávy aksamitové od kabáta“ (zwei Samtärmel von einem Wams) hinterließ. Da das Wams mit den Beinlingen eine Einheit bildete, war es modisch, Beinlinge und Wams, oder zumindest deren sichtbare Teile, in derselben Farbe zu tragen, idealerweise in einem Kontrast zum äußeren Rock oder Mantel.

Der Mangel an böhmischen Bildquellen und die Tatsache, dass das Wams in der Ära König Georgs von Podiebrad eine Zwischenschicht zwischen Unter- und Oberbekleidung darstellte, erschwert die Forschung erheblich. Dennoch lassen sich einige Details und Unterschiede zu anderen Regionen nachverfolgen. Die Ärmel böhmischer Wämser sind entweder eng oder weit und am Handgelenk mit einer kurzen Manschette verengt. Im Gegensatz dazu finden sich weder Schulterpolsterungen nach burgundischer Mode noch Raffungen der oberen Ärmelhälfte nach italienischer Mode.


Vergleicht man das Wams auf dem Fresko in der Münzmeisterkapelle der St.-Barbara-Kirche in Kutná Hora mit zeitgenössischen deutschen Schnittmustern, scheint es, dass böhmische Wämser im Stil etwas archaischer waren, d. h. mit einem langen Teil, der den Bauch eng umschloss und mit einer einzigen Nestel geschnürt wurde, sowie einer stark gewölbten, vermutlich gepolsterten Brust, die jedoch möglicherweise nicht so eng befestigt war wie der Bauchteil und daher entweder mit Knöpfen oder mehreren Nesteln durch gegenüberliegende Lochpaare verschlossen wurde.


Einige Einblicke in die Konstruktion von Wämsern lassen sich aus bestimmten Artikeln der Neustädter Wamsmacherzunft gewinnen, die am 16. August 1448 bestätigt wurden:
„Třetie, aby byly dělány barchanové kabáty v prostředku plátnem novým, a bavlna aby byla v prsy, a vespod aby bylo plátno nové nebo cvilink bez přimiešenie vetchého; a v kožené kabáty aby bylo vetché plátno v prostředek, a vespod nové bez přimiešenie vetchého. Také aby vetché plátno nebylo děláno pod barchanové kabáty ani kožené ani cvilinkové, nebo pod rukávy aby žádného vetchého mandlovaného na trh nedělali.“ (Drittens, dass Barchent-Wämser in der Mitte mit neuem Leinen gefertigt werden sollen, und Rohbaumwolle in die Brust eingearbeitet werden soll, und unten neues Leinen oder grobes Leinengewebe ohne Beimischung von altem Material verwendet werden soll; und in Lederwämser soll altes Leinen in die Mitte, und unten neues ohne Beimischung von altem. Ebenso soll kein altes Leinen unter Barchent-Wämser noch Leder- noch Grobwämser verwendet werden, noch soll unter die Ärmel irgendwelches altes gewalktes Material für den Markt verarbeitet werden.)
„Desáté a poslednie, v harasové kabáty aby bylo děláno dvuoje plátno v prsy svrchnie, a v pokošinové též, pod pokutami svrchupsanými.“ (Zehntens und letztens, in Woll-Wämser sollen zwei Lagen Stoff in die obere Brust eingearbeitet werden, und in die (anderen) wollenen ebenso, unter den oben genannten Strafen.)
Während in Westeuropa die Nesteln, mit denen die Beinlinge am Wams befestigt wurden, sichtbar zu einer einzelnen Schlaufe gebunden waren, war es in Mitteleuropa üblich, diese Nesteln verborgen zu tragen, wie aus den folgenden Abbildungen ersichtlich ist.


Als freie Inspiration für diese Rekonstruktion diente eine Illustration aus der Bayerischen Fürstengenealogie; zugleich wurde darauf geachtet, die Artikel der Neustädter Wamsmacherzunft einzuhalten. Der Rumpf des Wamses ist daher aus schwarzem Barchent gefertigt („… dass Barchent-Wämser gefertigt werden sollen“), und die Brust ist mit Rohbaumwolle gepolstert („… und Baumwolle soll in die Brust“). Der Schnitt einschließlich des Verschlusses basiert auf der Darstellung eines Wamses in der Münzmeisterkapelle des Doms der Heiligen Barbara in Kutná Hora.
Die Ärmel sind aus einem deutlich teureren Stoff gefertigt, wie in vielen zeitgenössischen Darstellungen zu sehen ist und wie im Testament des Kesselmachers Martin von 1477 erwähnt wird: „zwei Samtärmel des Wamses.“ Anstelle des genannten Seidensamt verwendeten wir einen handgewebten Seidenbrokat, mit Gold durchwirkt und mit einem Pelikan-Motiv versehen, basierend auf einem in Deutschland gefundenen Textilfragment.
Das gesamte Wams ist vollständig von Hand genäht. Die Rekonstruktion wurde von Pavel Houfek durchgeführt.
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